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Interview mit Herrn Gregor Theren:

Um genauere Informationen über das Projekt „Werkzeug für Haiti” zu erfahren, haben wir ein Interview mit dem Lehrer Gregor Theren geführt. Er gehört zu den Mitbegründern des nun seit 30 Jahren laufenden Projekts „Werkzeug für Haiti“ und begleitet dieses von Beginn an. Seit 1988 ist er die Ansprechperson an unserer Schule rund ums Thema „Werkzeug für Haiti“ und der Koordinator aller Aktionen.

Das Interview mit Herrn Gregor Theren haben Jan Kleine Eggebrecht, Simon Lenhart und Raphael Heistrüvers am 8.1.2010 durchgeführt.

 

 

Frage: Wie würden Sie das „Projekt Werkzeug für Haiti“ kurz beschreiben?

G. Theren: Den bedürftigen Jugendlichen in Haiti die Chance zu geben sich weiterzuentwickeln und zu bilden, so wie es bei uns in Deutschland für selbstverständlich gilt, um eine Lebensgrundlage für diese Jugendlichen zu schaffen. Dies bedeutet, dass wir Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Zweitens die Menschen und Jugendlichen hier vor Ort für die Probleme von Kindern und Jugendlichen, welche nicht in unserer näheren Umgebung sind, zu sensibilisieren.

Frage: Wie kam es dazu, dieses Hilfsprojekt am Don-Bosco-Gymnasium zu initiieren?

G. Theren: Das war mehr oder weniger ein Zufall. 1981 hatte die damalige Schüler Vertretung, unter ihrem Sprecher Rüdiger Göbel, einen Verwendungszweck für den Überschuss des Schulfestes gesucht und wurden von Pater Hillebrand, der damals noch hier an der Schule war, an die Missionsprokur in Bonn verwiesen. Dort war Pater Stra zu Besuch, der schon damals für die Jugendlichen in Haiti zuständig war. So entstand eine Zusammenarbeit und das Projekt „Werkzeug für Haiti“ wurde am Don-Bosco-Gymnasium ins Leben gerufen, um eine nachhaltige Hilfe für die Arbeit der Salesianer Don Boscos in Haiti zu gewährleisten.

Frage: Wer ist hier bei uns an dem Projekt beteiligt und Hauptverantwortlicher?

G. Theren: Hauptverantwortlicher für das Projekt an unserer Schule bin ich seit gut über 20 Jahren selber, seitdem Pater Hillebrand nicht mehr an der Schule ist. Ich bin also derjenige, der mit Pater Stra und auch mit den anderen „Außenstellen“ des Projektes den Kontakt hält. Dazu gehören die Pfarrgemeinde in Kevelar und die Don- Bosco Grundschule in Recklinghausen, die das Projekt ebenfalls unterstützen. Und das hat sich mittlerweile zu einer ganz guten Gemeinschaft entwickelt.

Frage: Wer ist für die Verteilung der Gelder zuständig und wer entscheidet, welche Werkzeuge nach Haiti geschickt werden?

G. Theren: Die Werkzeuglieferungen handelt Pater Stra meistens direkt mit Martin Delker aus, er ist unser Werkzeuglieferant. Die beiden haben zusammen mittlerweile so viel Erfahrung darin und Martin Delker kann einschätzen, welche Werkzeuge sinnvoll sind und welche nicht. Pater Stra ist ja auch ausgebildeter Ingenieur und mit der Technik sehr gut vertraut. So werden auch wirklich nur Sachen verschickt, welche vor Ort von Nutzen sind.

Frage: Hauptsächlich werden ja Werkzeuge als Hilfe geschickt, kommt es dennoch vor, dass Gelder direkt geschickt werden?

G. Theren: Ja, das kam in den nun rund 30 Jahren des Öfteren mal vor. Zum Beispiel zu Zeiten des Wirtschaftsembargos. Da konnten wir keine Werkzeuge nach Haiti schicken. Wir hatten damals das Problem, dass wir gerade Nähmaschinen auf den Philippinen bestellt hatten, aber diese nun nicht ausgeliefert werden konnten und wir sie in einem Speicher im Bremer Hafen zwischenlagern mussten und das war sehr teuer. Und vor zwei Jahren, als der große Wirbelsturm auf Haiti war, haben wir auch mit Geld geholfen.

Frage: Welche Werkzeuge werden denn verschickt und gibt es Werkzeuge, die besonders gefragt sind?

G. Theren: Das Spektrum, was wir schicken, deckt eigentlich fast alles ab. Von der Handfeile bis hin zu Hobelmaschinen für ganze Baumstämme. Aber auch Schweißgeräte oder Messgeräte für die Elektrowerkstatt. Dazu muss man nämlich noch sagen, dass es in Haiti so ist, dass die Jugendlichen, wenn sie irgendwo arbeiten wollen, ihr eigenes Werkzeug mit in den Betrieb bringen müssen. Und gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir unsere Hilfe in Form von Werkzeugen schicken, weil es viele von diesen Werkzeugen in Haiti einfach nicht gibt.

Frage: Kommt diese Hilfe auch immer an? In der Vergangenheit hatte Haiti ja viel mit Korruption zu kämpfen.

G. Theren: Was man wirklich sagen muss, ist, dass von unseren Containern noch nie einer aufgebrochen, irgendetwas gestohlen wurde oder nicht angekommen ist. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Salesianer einen sehr guten Ruf unter der armen Bevölkerung in Haiti haben.

Frage: Wie sieht die Arbeit mit den Jugendlichen vor Ort aus? Bekommen sie auch eine Ausbildung oder nur das Werkzeug?

G. Theren: Das Ganze ist ein Projekt für Jugendliche aus den Slums, die zumeist obdachlos sind. Sie müssen erst langsam aber sicher wieder an ein Leben in festen Mauern und mit Strukturen gewöhnt werden. Sie kommen oft aus einem kriminellen Milieu, d.h. sie sind Drogendealer, haben Diebstahl oder ähnliches als Tagewerk. Sie müssen erst einmal wieder lernen ein geregeltes – oder ein mit Regeln versehenes- Leben zu führen. Hier haben sie die Möglichkeit, eine Schulbildung und eben auch eine Lehrlingsausbildung zu bekommen. Unser Projekt unterstützt eine von Salesianern geführten Handwerkerschule auf Haiti und das Straßenkinderprojekt LAKAY.

Frage: Kann man eine Bilanz der bisherigen Arbeit ziehen? Kennen sie vielleicht Fallbeispiele von Jugendlichen, wie deren Leben sich verändert hat?

G. Theren: Mehr als 2000 gefüllte Werkzeugkisten für den Start ins Berufsleben wurden seit 1981 für Jugendliche in Haiti zur Verfügung gestellt, außerdem Werkzeuge und Geräte für die Ausbildung in Bereichen wie Holzverarbeitung oder Elektrotechnik. Die Grundvoraussetzung ist hierbei das benötigte Werkzeug. Dies muss bei jeder Arbeitsstelle selbst mitgebracht werden. Durch die Werkzeugkisten bekommen sie die Möglichkeit eine Arbeitsstelle anzunehmen.

Fallbeispiele habe ich nicht. Ich sehe nur die Qualität der Arbeit, die dort geleistet wird, wenn ich Bilder aus den Werkstätten bekomme, z.B. was die Tischlerei anbelangt oder auch die Schweißerei. Da werden Möbel hergestellt - Betten, Schränke, Tische, wenn es die hier zu kaufen gäbe, würde ich sie sofort kaufen. Sie würden sich in der Qualität letztendlich nicht von den hier produzierten Möbeln unterscheiden.

Frage: Wie kommen eigentlich die Gelder für dieses Projekt zusammen?

G. Theren: In Essen werden die Gelder durch verschiedene Aktionen gesammelt, wir haben zum Beispiel unseren Weihnachtsbaumverkauf, Stände zu verschiedenen schulischen Anlässen, einen Stand beim Borbecker Weihnachtsmarkt am 1. Adventssonntag. Weiterhin gibt es viele private Anlässe, zu denen die Leute etwas spenden. Runde Geburtstage zum Beispiel. Ehemalige spenden regelmäßig jedes Jahr nennenswerte Beträge. Da kommt also an vielen Stellen etwas zusammen. Die Aktion hat sich bei vielen Menschen schon tief verwurzelt und sie unterstützen sie gerne. Seit einigen Jahren werden wir auch von einer Don-Bosco-Grundschule in Recklinghausen und einer Pfarrgemeinde in Kevelar unterstützt.

         Scheckübergabe des Abiturjahrgangs 1984 anlässlich ihres
                               25-jährigen Abiturtreffens

Frage: Können sie denn einschätzen, wie viel Geld bis jetzt in das Projekt geflossen ist?

G. Theren: In das Projekt nach Haiti sind bis jetzt etwa 400.000 Euro geflossen.

Frage: Was sagen die Menschen vor Ort zu dem Projekt?

G. Theren: Die Menschen vor Ort sind im Grunde die Ärmsten der Armen und wie ich bereits gesagt habe, ist die salesianische Arbeit in Haiti sehr hoch angesehen. Sie kümmern sich eben um Jugendliche und versuchen ihnen überhaupt einmal am Tag eine warme Mahlzeit zu geben. Das geht an die tausende von Essen, die jeden Tag ausgegeben werden. Darüber hinaus vermitteln die Salesianer auch schulische Bildung in Kleinstgrundschulen.

Frage: Gibt es auch Unterstützung von staatlicher Seite aus? Oder ist das Projekt mehr oder weniger auf sich allein gestellt?

G. Theren: Das Projekt ist nicht auf sich allein gestellt, es wird von einer ganzen Menge Institutionen unterstützt. Es ist auch Unicef Modellprojekt. So hat die spanische Regierung für das Projekt Gebäude gebaut. Es wird weiterhin auch vom deutschen Missionswerk in Aachen unterstützt, von Missio zum Beispiel. Unterstützung kommt auch aus Holland und aus Belgien. Was wir vor allem leisten, ist der so genannte Eigenanteil. Wir decken einen großen Bereich ab, damit gesagt werden kann: „Aha, die bauen nicht nur irgendwelche Gebäude als Schlafstätte oder als Werkstatt, sondern haben auch die Möglichkeit, die Geräte zu finanzieren.“

Frage: Auf welche Resonanz trifft das Projekt hier bei uns? Sie haben vorhin erwähnt, dass viele Leute schon sehr tief mit dem Projekt verwurzelt sind und zum Beispiel auch zu ihren Geburtstagen spenden.

G. Theren: Das ist an sich natürlich höchst positiv zu sehen. Das Projekt gibt es ja bereits über 30 Jahre und steht regelmäßig in den Borbecker Nachrichten und jetzt ja auch auf unserer Schulhomepage. Viele Leute finden den direkten Kontakt den wir zu den Leuten haben gut. Pater Stra war in der Vergangenheit mindestens alle 2 Jahre hier in Europa, in der Missionsprokur in Bonn und eben auch hier bei uns. Auch Pater Lephene war schon einmal bei uns, so dass ein Kontakt dort immer gegeben ist, ein Email-Kontakt sowieso. Auch ein bildmäßiger Kontakt ist gegeben, die Bilder bekommen wir heutzutage sofort digital überspielt.


  

Kurz nach unserem Interview gab es auf Haiti ein schweres Erdbeben, in dessen Folge mehr als 200.000 Menschen in den Trümmern starben. Wir haben Herrn Theren unmittelbar danach gebeten, uns weitere Fragen zu beantworten, um zu erfahren, inwieweit diese schwere Katastrophe das Projekt „Werkzeug für Haiti“ betroffen hat.

Frage: Wie ist das Projekt durch diese Katastrophe betroffen?

G. Theren : Total! Das gesamte Dorf wurde zerstört. 500 Jugendliche wurden verschüttet und getötet, das gesamte Straßendorf ist zusammengebrochen. Das gesamte Projekt wurde dem Erdboden gleichgemacht.

Die Aufräumarbeiten haben begonnen, es wird versucht die Kinder, Lehrer/innen und Mitarbeiter/innen zu identifizieren bevor sie in ein Massengrab kommen. Am 28. Januar wird der Regionalobere mit den Mitbrüdern in Haiti und der Dominkanischen Republik eine erste Richtung (Prioritäten) für den Wiederaufbau festlegen.

 

 

Frage: Wie viele Opfer gibt es unter den Patern?

G. Theren: Nach unseren bisherigen Informationen sind drei Salesianer bei der Erdbebenkatastrophe ums Leben gekommen, viele weitere sind verletzt. Pater Stra ist an der Wirbelsäule verletzt und hat Knochenbrüche an beiden Beinen. Er ist zur Behandlung in die benachbarte Dominikanischen Republik gebracht worden.

 

Frage: Gibt es eine aktuelle Planung wie es in der Zukunft weitergehen soll? Oder steht jetzt erst einmal die Versorgung der Grundbedürfnisse im Vordergrund?

G. Theren: Im Augenblick ist die Versorgung der Grundbedürfnisse vor allem mit Wasser wichtiger, da es kein sauberes Trinkwasser in Haiti gibt. Es herrscht dort die absolute Katastrophe. Selbst die Ärzte Vereinigung „Ärzte ohne Grenzen“ haben so etwas nach eigenen Angaben noch nie gesehen – auch beim Tsunami nicht. Die ersten Schätzungen gehen schon von mehr Toten aus als bei der gesamten Tsunami Katastrophe, bei der rund 240.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Man wird es vielleicht nie genau erfahren wie viele Opfer noch verschüttet sind. Neben der Sicherstellung der Grundbedürfnisse muss auch noch das ganze Dorf wieder aufgebaut werden.

Frage: Können wir dann von einem kompletten Neuanfang sprechen?

G. Theren: Ja auf jeden Fall. Deswegen muss auch unsere Hilfe weitergehen!

Frage: Gibt es schon Aktionen an unserer Schule, um noch mehr Spendengelder zu mobilisieren?

G. Theren: Es gibt schon viele Leute, die angerufen haben, um auf unser Hauskonto zu spenden. Diese Spenden werden dann direkt nach Bonn weitergeleitet. Durch unsere Schulstiftung sind auch schon große Beträge, im fünfstelligen Bereich, im Gespräch. Die SV plant auch schon Aktionen. Die Mütter wollen diese Woche einen Waffelverkauf machen, um Gelder zu sammeln. Des Weiteren wird angedacht ein Teil des Cafeteria-Erlöses zu spenden.